Hat der Markt sein Zyklushoch schon erreicht?
Unsere Einschätzung: Die übergeordneten Fundamentaldaten – sowohl für Tech-Aktien als auch für digitale Vermögenswerte – haben sich nicht verschlechtert. Weder ist der Zyklus beendet, noch sehen wir Anzeichen, dass der strukturelle Trend gebrochen wäre. Marktzyklen verlaufen nie linear. Korrekturen sind ein natürlicher Bestandteil jedes Aufwärtstrends.
ArchivArchiv-Ausgabe: ursprünglich als E-Mail-Marktkommentar an unsere Investor:innen und Interessent:innen verschickt am 24. November 2025.
Die vergangenen Tage waren geprägt von einer kräftigen Korrektur – sowohl an den Märkten für digitale Vermögenswerte als auch an den traditionellen Kapitalmärkten, insbesondere bei technologieorientierten Aktien mit KI-Bezug. Gerne möchten wir Ihnen unsere Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen geben und die aus unserer Sicht wichtigsten Einflussfaktoren einordnen.
Was steckt hinter der aktuellen Marktkorrektur?
Um eine Korrektur richtig zu bewerten, ist es entscheidend zu verstehen, ob sie stimmungsgetrieben ist, von technischen Marktmechanismen ausgelöst wird oder ob sich die langfristigen Fundamentaldaten verändert haben.
1.Sentiment: Überhitzung nach starkem KI-Hype
In diesem Jahr sind Technologieaktien – insbesondere im Umfeld der Künstlichen Intelligenz – deutlich angestiegen. Digitale Assets folgten diesem Trend, da sie typischerweise als „Risk-on“-Assets gehandelt werden. Besonders gefragt waren DATs (Digital Asset Treasury Companies) wie Strategy oder Bitmine Technologies sowie Bitcoin-Mining-Unternehmen, die aufgrund ihrer Infrastruktur zunehmend als potenzielle KI-Datencenter wahrgenommen wurden.
Die Stimmung war spürbar euphorisch:
- Indikatoren wie RSI oder MACD signalisierten Überkauftheit,
- das Fear-and-Greed-Barometer bewegte sich im Bereich extremer Gier,
- Medien zogen vermehrt Parallelen zur Tech-Bubble von 2000.
Eine Korrektur aus Stimmungsgründen war daher nicht überraschend.
2. Technische Faktoren: Liquidität, Derivate & automatisierte Mechanismen
a) Liquiditätsschübe und Risk-on/Risk-off-Dynamik
Die Märkte waren klar im Risk-on-Modus. Sobald Anleger jedoch das Gefühl haben, das Rendite-Risiko-Profil verschlechtert sich, flüchten sie in sicherere Anlagen wie Cash oder Anleihen. Aufgrund der zuvor erreichten Überhitzung reichte ein Auslöser, um Liquidität aus Risiko-Assets abzuziehen – sowohl aus Tech-Aktien als auch aus digitalen Vermögenswerten, die durch die neuen institutionellen Marktteilnehmer stärker mit traditionellen Anlagen korrelieren.
b) Derivate und Auto-Deleveraging
Am 10. Oktober erlebten die Kryptomärkte den stärksten Flash-Crash ihrer Geschichte. Rund 19 Mrd. USD an Long-Positionen wurden binnen kürzester Zeit liquidiert.
Der Hintergrund:
- Es hatten sich extrem viele gehebelte Long-Positionen angesammelt (teilweise mit 50–100x Hebel).
- Setzt die Kursbewegung gegen die Anleger, lösen Börsen automatisch Auto-Deleveraging-Mechanismen (ADL) aus, um das verliehene Kapital zu schützen.
Die beginnende Korrektur setzte daher eine Kaskade von Liquidationen in Gang – ein klassischer selbstverstärkender Effekt.
3. Fundamentaldaten: Haben sich die langfristigen Aussichten verändert?
Als Investmentboutique konzentrieren wir uns primär auf digitale Vermögenswerte, dennoch möchten wir kurz auf die Fundamentaldaten an den traditionellen Kapitalmärkten eingehen.
Die Diskussion über eine mögliche KI-Blase wurde zuletzt intensiv geführt. Einige argumentieren, die Bewertungsniveaus seien nicht nachhaltig. Andere verweisen darauf, dass die hohen Investitionsausgaben (Capex) durch steigende operative Cashflows gut untermauert seien und Vergleiche zur Dotcom-Blase 2000 unangebracht sind. Wir empfehlen Ihnen, aktuelle Bewertungskennzahlen wie KGV oder Buchwert individuell zu prüfen.
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor war der jüngste US-Government-Shutdown, der Wirtschaftsdaten verzögert oder gar nicht veröffentlicht hat. Diese Unsicherheit führte dazu, dass institutionelle Investoren vermehrt in sichere Anlagen wechselten.
Unsere Einschätzung: Die übergeordneten Fundamentaldaten – sowohl für Tech-Aktien als auch für digitale Vermögenswerte – haben sich nicht verschlechtert. Weder ist der Zyklus beendet, noch sehen wir Anzeichen, dass der strukturelle Trend gebrochen wäre. Marktzyklen verlaufen nie linear. Korrekturen sind ein natürlicher Bestandteil jedes Aufwärtstrends.
Als 21 Oaks Capital sind wir der Ansicht, dass wir uns in einer Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends befinden. Der langfristige Investment Case für digitale Assets bleibt stark.
Zyklusindikatoren: Warum wir nicht von einem Zyklushoch ausgehen
Zur Einordnung möchten wir Ihnen drei Indikatoren vorstellen, die in der Analyse von Bitcoin-Zyklen häufig genutzt werden:
a)2-Year-MA-Multiplier
Ein Instrument, das den Bitcoin-Kurs mit seinem 2-Jahres-Moving-Average sowie einem Vielfachen davon vergleicht und historisch klare Kauf- und Verkaufszonen identifiziert.

b) Pi Cycle Top Indicator
Ein Indikator, der frühere Marktzyklushochs mit bemerkenswerter zeitlicher Präzision prognostizierte. Das Überschneiden des 111DMA mit dem verdoppelten 350DMA markierte historisch die Tops.

c) TheMayer Multiple
Das Mayer Multiple misst das Verhältnis des aktuellen Bitcoin-Preises zu seinem 200-Tage-Durchschnitt und zeigt damit auf einen Blick, ob Bitcoin historisch eher über- oder unterbewertet ist.

Alle drei Indikatoren zeigen: Trotz neuer Allzeithochs in diesem Jahr haben wir nie eine Phase extremer Überhitzung erreicht, wie sie historische Zyklushochs auszeichnet.
Auch wenn die aktuelle Korrektur schmerzhaft sein mag, ist sie aus unserer Sicht kein Zeichen eines Trendbruchs. Wir bleiben langfristig positiv für digitale Vermögenswerte gestimmt und erwarten, dass Blockchain und KI die kommenden Jahre maßgeblich prägen werden.
!!Hinweis:Dies ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung. Die dargestellten Inhalte spiegeln ausschließlich unsere persönliche Einschätzung wider!!
